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Berichte aus der DDR über die Schule.

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Natürlich haben wir zu jedem Interview das wir geführt haben einen Artikel verfasst. Hier ist nun die Sammlung einiger wenigen Werke.

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Frau Eichelmann

Frau Eichelmann wurde am 17.06.1941 geboren. Ihre Einschulung fand im Herbst 1947 statt. Im Mai 1947 war ihr Vater verstorben, die Mutter war am Tage der Einschulung zu einer Beerdigung, sodass die älteren Geschwister die Einschulung begleiteten. Drei der Geschwister waren bereits im Erwachsenenalter und alle vier Geschwister begannen ihre Schulzeit in der Turmschule (36. Grundschule) in den Jahren 1932, 1935, 1936 und 1945. Aus Gesprächen der älteren Geschwister über den Schulalltag war eine gewisse Neugier und Erwartung auf die bevorstehende Schulzeit geweckt. In der Nachkriegszeit war Wohnraum sehr knapp und so spielte sich der Alltag der Familie auf relativ kleinem Raum ab. Diese Nähe zueinander schildert Frau Eichelmann aus heutiger Sicht als sehr positiv, es wurde viel miteinander gesprochen und Hilfsbereitschaft und Verständnis füreinander seien sehr ausgeprägt gewesen. Ihre Erinnerungen an die Schulzeit sind gute und werden durch detaillierte Schilderungen unterstützt. Die Klassen waren in der Regel mit 35 Schülerinnen belegt, es waren reine Mädchen und reine Jungenklassen. Das erklärt auch, dass zum damaligen Zeitpunkt zwei Eingänge zum Schulgebäude genutzt wurden. Für Mädchen in der Saßstraße, die Jungen mussten den Eingang Elsbethstraße benutzen. Es gab 2 Turnhallen. Die für Mädchen wurde auch als Aula bei Veranstaltungen genutzt und in der Jungenturnhalle gab es spezielle Geräte für den Sportunterricht. Daher nutzten die Mädchen die Jungenturnhalle für bestimmte Disziplinen. Im wesentlichen ist die Nutzung des Schulgebäudes geblieben, auch in den Fünfziger Jahren gab es schon separate Unterrichtsräume, beispielweise für Physik, Chemie, Musik, Zeichnen. Anders als heute, ging man von der ersten bis zur achten Klasse in die Grundschule. Danach konnte man die Oberschule bis zum Ablegen des Abiturs besuchen. Allerdings, so berichtet die Zeitzeugin, war der Besuch der Oberschule stark von der sozialen Herkunft bzw. der beruflichen Tätigkeit der Eltern abhängig. Ein guter Zensurendurchschnitt war nicht gleich die Chance die Oberschule zu besuchen, vielmehr wurden Schüler aus Arbeiter -und Bauernfamilien bevorzugt. In den Jahren 1947-1955 (die Grundschulzeit von Frau Eichelmann) fand auch samstags Schulunterricht statt. Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, so z. B. Sport, Geschichte, Schulgarten, später auch Foto u. weitere, wurden von sehr vielen Schülerinnen und Schülern gern in Anspruch genommen und stellten einen willkommenen Ausgleich zwischen Schule und Freizeit her. Kosten entstanden für die Eltern keine. Frau E. hatte sich für Sport und Schulgarten entschieden. Regelmäßig montags 12.00 Uhr fand im Schulhof Fahnenappell statt und die pünktliche Teilnahme war ein Muss. Das Einzugsgebiet der Schule reichte von Krochsdorf bis zum Rosenthal, dementsprechend lange Schulwege waren die Regel. Langweilig wurde der lange Schulweg nie, es waren immer größere Gruppen zusammen unterwegs und es gab auch immer viel und aus Sicht der Schülerinnen Interessantes zu berichten. Natürlich wurden dabei auch kleine Streiche geplant. Um Rückenprobleme wegen zu schwerer Ranzen mussten sich die Eltern zum damaligen Zeitpunkt keine Gedanken machen, denn der Inhalt eines Ranzens war eher spärlich. Es gab kaum Schulhefte und Schreibmaterial. Schulbücher wurden zur Verfügung gestellt. Die Qualität vom Schreibpapier war so schlecht, dass es oft zu ungewollten Tintenklecksen kam. Trotz der schweren Nachkriegszeit haben Eltern und Lehrer immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, allen eine abwechslungsreiche und schöne Kindheit zu gestalten. So erinnert sich Frau Eichelmann gern an Klassenfahrten z. B. nach Weimar, Bad Blankenburg oder in die nähere Umgebung von Leipzig. Auch der Zoo war ein sehr beliebtes Ausflugsziel und diente gleichzeitig dazu, das Wissen für den Biologieunterricht zu vertiefen. Der Lehrplan war in der DDR einheitlich gestaltet. Ethik beziehungsweise Religionsunterricht gab es nicht, jedoch stand es jeden frei, über die Kirche am Religionsunterricht teilzunehmen. Dem Unterrichtsfach Sport war der Schwimmunterricht angegliedert und dieser fand im Stadtbad statt. Ab der fünften Klasse wurde das Unterrichtsfach „Russisch“ in den Lehrplan aufgenommen und Dank der Lehrer die es verstanden hatten, für das Fach Interesse zu wecken, sind bis heute einige Sprachkenntnisse erhalten geblieben. Der Schulgarten befand sich in der Claudiusstraße und Herr Popp leitete die Arbeitsgemeinschaft, der sich viele Schülerinnen angeschlossen hatten. Hin und wieder gab es eine Kleinigkeit Obst oder Gemüse bzw. eine Blume für gute Mitarbeit mit nach Hause, das war schon etwas Besonderes. Auch der Biologieunterricht fand zu bestimmten Themen im Schulgarten statt, berichtet Fr. E. weiter. Das Lehrerkollegium bestand aus Neulehrern und Lehrern der Vorkriegszeit. Einige unverheiratete Lehrerinnen legten sehr großen Wert darauf, mit Fräulein angesprochen zu werden, was von den Schülern nicht immer korrekt eingehalten wurde und zu Ermahnungen seitens dieser Lehrerinnen führte. Schwatzen und Unaufmerksamkeit während des Unterrichtes hatten zusätzlichen „Hausaufgaben“ zur Folge. Der Beitritt in die Organisation der Jungen Pioniere und später der FDJ war seitens der Schule erwünscht, seitens der Elternhäuser nur bedingt unterstützt. 1955 beendete Frau E. die Grundschule und machte eine Lehre als Bankkauffrau. In dem Ausbildungsbetrieb arbeitete Fr. Eichelmann 46 Jahre und diese Tätigkeit habe sie stets mit Engagement, Spaß und Freude begleitet. Mit ihrer ehemaligen Klassenlehrerin Frau Gisela Scholz verbindet sie eine herzliche Freundschaft. Auch mit weiteren ehemaligen Schülerinnen wird guter und regelmäßiger Kontakt gepflegt.



Gerhard Schanze

Herr Schanze, geboren am 01.07.1941 in Leipzig, erblickte als erstes von vier Kindern das Licht der Welt. Seine Mutter musste die Familie allein versorgen, da der Vater im Krieg gefallen war. Er absolvierte von 1947-1955 die 36.Grundschule, das heutige Friedrich-Schiller-Gymnasium. Der Krieg hinterließ seine Spuren auch am Turm, der später einstürzte und lange Zeit gesperrt war. Wie der Zeitzeuge berichtete, gab es früher einige Fachkabinette: ein Physik- und Chemiezimmer, ein Zeichenkabinett, ein Musikzimmer und anders als heute, feste Klassenzimmer. Lehrerzimmer und Sekretariat befanden sich damals an gleicher Stelle. Standard waren vier Klassen pro Jahrgangsstufe. Die Schüler saßen auf alten Holzbänken und falls sie nicht gehorchten, gab es mitunter leichte Schläge mit einem Lineal oder dem Deckel (aus Holz) des Schreibstiftkastens auf die Hand; die Lehrerin nahm, was gerade auf der Bank des Störenfriedes greifbar war. Das war aber nicht die Regel, zumal ja die Prügelstrafe verboten war. Der Tag begann 7.30 Uhr und endete nach sechs bzw. sieben Stunden. Von der 1. Bis zur 3. Klasse gab es sowohl Mädchen als auch Jungen, was nicht immer der Fall war. Wer eine Antwort geben wollte, musste aufstehen und neben die Bank treten. Außerdem war eine angemessene Sitzhaltung erforderlich. Der Unterricht dauerte 45 Minuten. Mehrmals im Jahr wurde der Hefter auf Schönschrift kontrolliert. Damals gab es nur die Noten eins bis fünf. Im Gegensatz zu heute waren die Ranzen damals noch leicht. Oft fielen Stunden aus oder die Klasse wurde auf andere Klasse aufgeteilt. Erste Fremdsprache war Russisch, Latein hingegen lernte man nur an der Oberschule. Eine zweite Fremdsprache musste man nicht erlernen. Als Ausgleich dafür, dass man am Samstag zur Schule gehen musste, hatte man acht Wochen Sommerferien. Wie auch heute trug man damals keine Uniform. Es wurde ein Schulessen angeboten, aber es war nicht Pflicht, daran teilzunehmen. Wo jetzt Tischtennisplatten stehen, befand sich früher der Fahnenappellplatz. Klassenlehrer des Zeitzeugen war Herr Bennemann. Die Lieblingslehrerin Fräulein Köhler, so berichtete Herr Schanze, legte, wie alle anderen älteren unverheirateten Kollegen auch, sehr viel Wert darauf, nicht mit Frau angesprochen zu werden. Klassenfahrten über mehrere Tage fanden nicht statt, es gab Tagesausflüge im Rahmen des Heimatkundeunterrichtes. Es sei denn, man war Mitglied der Touristik-AG, die größere Fahrten unternahm, allerdings außerhalb der Schulzeit. Dafür war es fester Bestandteil, Geburtstage von Lehrern und Schülern zu feiern. Es gab die Möglichkeit, mit Schülern aus Russland per Brief zu kommunizieren. Der alljährliche Sporttag ereignete sich im Stadion des Friedens. Schon für eine Mark pro Woche konnte man die Sommerferienspiele besuchen. Damit man später noch Erinnerungen an die alte Klasse hatte, schrieb man Sprüche in ein Poesiealbum. Herr Schanze jedoch besaß keines. Kam er mit schlechten Noten nach Hause, wurde er von seiner Mutter nicht bestraft.
Nachdem er die Schule erfolgreich absolvierte, begann er eine Lehre als Elektromonteur. Diesen Beruf übte er bis zum Rentenalter aus. Solange er zu Hause wohnte, musste er 1/3 seines Lohnes abgeben, da diese nur über geringe finanzielle Mittel verfügte. Herr Schanze ist verheiratet, glücklicher Vater und mittlerweile Rentner.



Das Ehepaar Pohl

Herr Pohl verbrachte seine gesamte Grundschulzeit, die damals von der ersten bis zur achten Klasse reichte, an unserer Schule. Frau Pohl hingegen wechselte nach über 2 Jahren an die 35. Mittelschule Leipzig. Obwohl die Erinnerungen etwas getrübt waren konnten die beiden uns einen sehr guten Einblick in den damaligen Schulalltag geben. Das Schulgebäude sah im Wesentlichen aus wie heute. Allein der Turm war damals Bomben zum Opfer gefallen. Die Schule hatte ca. 120 - 130 Schüler bei rund 5 Klassen pro Stufe. Die Woche begann montags mit einem Appell auf dem Schulhof, der im Gegensatz zu dem heutigen nur aus Schutt bestand. In den regulären Hofpausen mussten die Jungen und die Mädchen in Reihen im Kreis laufen, allerdings in Entgegengesetzte Richtungen. Auch im Unterricht ging es streng zu. So waren die Stühle an den Tischen fixiert, damit die Schüler nicht zu nahe beieinander sitzen. Außerdem durfte der Lehrer den Schülern auch auf die Finger hauen, wenn das Verhalten nicht seinen Vorstellungen entsprach. Doch so streng der Unterricht auch war, so sehr freuten sich die Schüler schon damals auf den Schulschluss. Denn jetzt konnten sie Fußball spielen. Der Sport war schon früher so beliebt, dass einmal im Jahr ein Fußballturnier der Schüler gegen die Lehrer stattfand. Zu diesen zählten Herr Bandelour im Fach Russisch, Herr Lange in Geschichte, der Physiklehrer Herr Vogt und Frau Köhler in Deutsch. Der Schuldirektor war damals Herr Tiele und der Klassenlehrer von Herrn Pohl war damals der Mathematiklehrer Herr Bennemann. Alles in allem beschrieb Herr Pohl uns die Zeit an unserer Schule als eine recht glückliche.



Herr Goldschmidt

Am 16. 01. 2008 fand das zweite Treffen des Projektes „Zeitzeugen“ statt. Wieder erschienen ehemalige Schüler unserer Schule und brachten uns ihrem früheren Leben näher. Herr Goldschmidt zog im Jahre 1949 von Gera nach Leipzig, wo er dann auch die 36.Grundschule besuchte. Er wohnte mit seiner Mutter, welche Erzieherin in einem Jugendwohnheim war, zusammen. Seine beiden Brüder waren schon älter und arbeiteten auswärts. Herr Goldchmidt berichtete uns begeistert von seiner Schulzeit und klärte uns über die Dinge von damals auf. Früher mussten die Jungen den Eingang in der Elsbethstraße und die Mädchen den Eingang der Sasstraße verwenden. Die Geschlechter wurden im Unterricht getrennt, jedoch gab es ab 1955 ein paar wenige gemischte Klassen. Die Jungenklassen hatten z.B. die Kennzeichnung VIIIa, VIIIb, …, die Mädchenklassen z.B. 8a, 8b, …. Der Sportunterricht fand in verschiedenen Turnhallen statt, die Mädchen nutzten die Aula dafür. Geräteturnen, Hindernislauf, Völkerball, Turnen auf dem Barren oder andere Spiele und Kontrollen waren Punkte im Unterricht. Auch in den anderen Fächern gab es im Vergleich zu heute Unterschiede. Ab der 5. Klasse wurde zusätzlich Russisch, ab der 6. Klasse Physik und ab 7. Klasse Chemie gelehrt. Zu ihrem Schulalltag gehörte auch das Fach Staatsbürgerkunde. Die Schüler mussten Gedichte lernen, Fehlerlesen, Aufsätze und Diktate schreiben, für die sie jeweils ein eigenes Heft hatten. Religion fand in der Kirche statt und war freiwillig. Pro Tag gab es regulär 6 Stunden, somit dauerte der Unterricht von 8:00 Uhr bis 13:40 Uhr. Die großen Pausen waren Hofpausen und man durfte eigentlich nur während einer dieser auf Toilette gehen. Herr Goldschmidt und seine Schulkameraden gingen damals noch von Montag bis Samstag in die Schule und es gab nur Noten von 1 bis 5. Die Tests waren unangekündigt und alle gleichwertig. Außerdem gab es jeden Tag Hausaufgaben, die sauber und ordentlich erledigt werden mussten. Wenn die Schüler dieser vergaßen oder anders den Unterricht störten gab es Einträge oder von manchen Lehrern auch mal eine Ohrfeige, jedoch durften die Schüler aus Sicherheitsgründen nicht vor die Tür geschickt werden und die meisten merkten sich die Lektion oder meldeten die vergessenen Hausaufgaben vor der Stunde. Nach der Schule konnte man an zahlreichen AGs teilnehmen, wie z.B. der Werken- oder Foto-AG, die kostenlos waren. Herr Goldschmidt besuchte die Foto-AG. Er und um die 7 andere Schüler trafen sich in einem Zimmer, welches mit allen Chemikalien und Beleuchtungseinrichtungen ausgestattet war, und entwickelten ihre zuvor selbst geschossenen Bilder. Zum Tag der offenen Tür wurden ihre Werke sogar ausgestellt. In den Ferien unternahmen er, andere Schüler und ein zusätzliches Elternteil Fahrten, die von der Schule und einem verantwortlichen Lehrer organisiert waren, nach Zittau, Ravensbrück oder dem Thüringer Wald. Sie fuhren ein Teil mit dem Zug und dem Rad. Dort übernachteten sie auf Strohsäcken in Turnhallen oder Scheunen und versorgten sich ca. 3 Wochen allein. Es gab weder Strom noch fließend Wasser und sie mussten im 4 km entfernten Dorf einkaufen und ihr Mittagessen abholen. Der Unkostenbeitrag konnte auch durch „Geringverdiener“ aufgebracht werden. Die Fahrten waren für Herrn Goldschmidt immer ein schönes Erlebnis. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte arbeitete er als Zivilbeschäftigter in der Armee und studierte per Fernstudium Ingenieurökonomie. Wir danken ihm, dass er uns so viel aus seiner Schulzeit berichtet hat und wir uns mit ihm über die Veränderungen austauschen konnten. Wir sind uns sicher: Manches ist besser geworden, aber nichts geht über die schöne alte Zeit damals.