Schülerreisetagebuch


Schülerreisetagebuch von der Fahrt in die Partnerstadt Addis Abeba
(geschrieben von den 5 Schülern des Friedrich-Schiller Gymnasiums: Karolin Wellner, Anika Kraetzig, Elisa Gerbsch, Susanne Unrein und Laura Walter)

Freitag, 28.09.2007

Um 15.00 Uhr trafen wir bereits auf dem Leipziger Hauptbahnhof die ersten Teilnehmer der Bürgerreise nach Addis Abeba, der jüngsten Partnerstadt von Leipzig. Unser erstes Etappenziel war der Flughafen in Frankfurt am Main. Dort angekommen, mussten wir alle erforderlichen Kontrollen über uns ergehen lassen. Als 23.45 Uhr unser Flugzeug startete, waren wir alle gespannt auf das Ungewisse, welches uns im "Land mit den 13 Monaten Sonnenschein" bevorstand.

Samstag, 29.09.2007

Pünktlich, jedoch völlig übermüdet, kamen wir um 8.00 Uhr (Ortszeit) in Addis Abeba an und fanden nach einiger Zeit der Ratlosigkeit unser Gepäck. Als Erstes stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm und so liefen wir, unsere Koffer im Schlepptau, zum Bus. Dort wurden wir sogleich mit der ersten afrikanischen Begebenheit vertraut gemacht: das Gepäck wurde auf das Dach eines kleinen Reisebusses getürmt und mit einer gelben Wäscheleine festgebunden! Während der Stadtrundfahrt sahen wir die Sehenswürdigkeiten und Lebensgewohnheiten der Hauptstädter. Vor der neu gebauten Milleniumshalle grasten Rinder. Schafe und Ziegen kreuzten unseren Weg und auf der Straße schliefen Menschen, die diese als ihre Wohnung betrachteten - bettelnde Kinder umringten uns! Nach dem Weiterflug nach Bahir Dar fühlten wir uns in den ländlichen Afrika angekommen, welches genau unseren Vorstellungen entsprach - Kinder als Hirten, Allwetterstraßen und andauerndes Hupkonzert. Unser Hotel am Tana-See war typisch afrikanisch, denn es gab farbenfrohe Wandbehänge, handgefertigte Lampen, einen tropischen Garten und afrikanische Nationalgerichte.



Sonntag, 30.09 2007

Heute war ein ganz besonderer Tag, denn eine unsere Schülerinnen hatte Geburtstag. Es gab eine köstliche, reichlich bunt, verzierte Torte, mit dem Schriftzug "15. Geburtstag im Jahr 2000", welche den Geburtstag einmalig machte. Als Highlight standen heute die Nil-Fälle auf dem Tagesplan. Dort angekommen tätigten wir erste Handelsgeschäfte und Einheimische führten uns den beschwerlichen Weg zu den Nil-Fällen entlang. Doch für diesen "Service" ließen sie sich unterschiedlich bezahlen. Die unbeschreiblichen Eindrücke von den Nil-Fällen waren jedenfalls das Geld wert. Trotz der beträchtlichen Entfernung spürten wir Wassertropfen auf der Haut und Nebelwolken hüllten die Landschaft ein. Auf dem örtlichen Markt von Bahir Dar wurden wir von den typisch afrikanischen Gerüchen umgeben. Den Palast von Haile Selassie, der unter äußerst strenger Bewachung stand, konnten wir leider nicht besichtigen, dafür hatten wir von dem in der Nähe liegendem Berg einen wundervollen Blick über die Umgebung der Stadt Bahir Dar und dem Blauen Nil. Bei einem abendlichen Spaziergang erlebten einige einen herrlichen Sonnenuntergang über der Stadt.



Montag, 01.10.2007

Oben auf dem Sonnendeck eines Bootstaxis fuhren wir zu der Halbinsel "Zeghine", im Tana-See, und genossen die herrliche Aussicht. Dort angekommen besuchten wir die Klosterfestung mit der Kirche aus dem 14. Jahrhundert, welche mit Malereien zu Geschichten aus der Bibel verziert war. Außerdem besichtigten wir ein Museum mit traditionellen Handwerksgegenständen, nahmen an einer für Äthiopien typischen Kaffeezeremonie teil und kauften auf dem Rückweg mehrere kleine Andenken. Am Nachmittag machten wir einen Stadtbummel. Hier entpuppte sich Frau Reschke als knallharte Geschäftsfrau. Mit folgenden Sätzen kriegte sie jeden Handelsmann rum: "This is a good price for you, but not for me." und "This is my last price". So erwarben wir einen Großteil unserer Geschenke und Mitbringsel. Beim abendlichen Spaziergang am Tana-See wurde Frau Walther, unsere Afrikaprojektleiterin, von vielen Moskitos angegriffen.



Dienstag, 02.10.2007

Der Dienstagvormittag erwies sich als erholsame und notwendige Verschnaufpause von dem zwar interessanten, jedoch sehr anstrengenden Reiseprogramm. Die fremden Essgewohnheiten, der wenige Schlaf und die ungewohnte Höhenlage machten uns sichtlich schaffen. Am Nachmittag flogen wir von Bahir Dar nach Addis Abeba zurück.

Mittwoch, 03.10.2007

An diesem Tag überhäuften sich die Termine. Direkt nach dem Frühstück ging es ins Deutsche Haus. Dort nahmen wir an einem interessanten Vortrag von der gtz (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) über die Entwicklungshilfe in Äthiopien teil. In der deutschen Botschaft empfing uns der Botschafter Herr Dr. Claas Knoop persönlich und führte uns durch eines der schönsten Botschaftsgelände der Welt. Wir fanden hier eine schöne Villa, einen weitläufigen Garten, Pferde und Schildkröten vor. Am Nachmittag besuchten wir den Kaiserpalast, in dem es eine interessante Ausstellung über das Leben in Äthiopien gab.



Donnerstag, 04.10.2007

Pünktlich wurden wir vom Bürgermeister der Stadt, Ato Berhane Deressa, im großen Konferenzsaal begrüßt. Danach besuchten wir eine große Kirche, die Dreifaltigkeitskirche, die wiederum mit Szenen aus der Bibel ausgeschmückt war und zu der auch ein großer Friedhof gehörte. Von der Rathausspitze der Stadt Addis Abeba wurden wir zu einem Essen ins Hilton-Hotel eingeladen, wo wir die leckersten Köstlichkeiten auf einem reich gefüllten Buffet vorfanden. Da der Nachmittag frei gegeben war, nutzen wir ihn für eine weitere ausgedehnte Shoppingtour durch die Straßen von Addis und zwei Schülerinnen besuchten die äthiopische Brieffreundin von Anika in ihrem Zuhause.



Freitag, 05.10.2007

Endlich war es soweit und der eigentliche Höhepunkt unserer Reise stand unmittelbar bevor: wir besuchten unsere Partnerschule, die Menelik Second High School, wo wir von dem Schulleiter, Ato Kebede G/Medhin, Frau Anne Schorling und vielen Schülern herzlich begrüßt wurden. Wenig später saßen wir im English Language Club und lauschten den Vorträgen, welche die Schüler ausgearbeitet hatten und präsentierten ebenfalls unsere Arbeiten über Deutschland, Sachsen, Leipzig, das Schulsystem und unsere Schule. Es folgte ein reiches Programm mit Reden, Theater, Musik und Tanz auf dem Schulhof. Der Höhepunkt an diesem Tag war die Unterzeichnung unseres Schulpartnerschaftsvertrags und die Übergabe einer Spende in der Höhe von 1000€, welche durch einen zuvor durchgeführten Sponsorenlauf zusammengekommen war. Nach einer kurzen Pause wurde nun auch endlich das Leipzigzimmer eingeweiht und der Schulleiter lud uns zu einer Besichtigung der Schule ein (Klassenräume, Computerzimmer, Wasseranlagen und vieles mehr). Bewundernswert war, das es keinen einheitlichen Gebäudekomplex gab und die Schüler Schuluniformen trugen.



Samstag, 06.10.2007

Heute stand ein Besuch des Goethe-Institutes auf dem Plan. Wir sahen uns dort eine Ausstellung an, welche vor kurzem noch in Leipzig mit dem Titel "Sehnsucht nach der Ferne" zu bestaunen war. Zum ersten Mal in dieser Reise besuchten wir ein Kaffeehaus und den Mercato, den größten Markt in Ostafrika. Besonders beeindruckend waren die Vielfältigkeit der angebotenen Waren und das rege Treiben auf den Markt. Da es der letzte Abend vor der Abreise war, ließ es sich der Bürgermeister nicht nehmen uns noch einmal in das Rathaus einzuladen. Neben verschiedenen Reden gab es auch eine Tanzshow und traditionelles Essen. Um seine Freude an unserer Anwesenheit noch einmal zu verdeutlichen gab es für jeden Teilnehmer der Bürgerreise ein kleines Abschiedsgeschenk vom Bürgermeister persönlich überreicht.



Sonntag, 07.10.2007

Nachdem wir unsere Koffer für die abendliche Abreise gepackt hatten, besuchten wir den Zoo von Addis Abeba und schauten uns die 15 Löwen an, die eine sehr große Bedeutung für die Äthiopier haben. Anschließend fuhren wir zu dem Gelände, auf welches der Zoo umgesiedelt werden soll. Nach einer kurzen Verschnaufpause erklommen wir mit einem Bus den Entoto Berg, der etwa eine Höhe von 3200 m hat. Leider hatten wir mit dem Wetter nicht soviel Glück und Wolken verschlechterten die Sicht auf Addis Abeba. Aber bei einem Zwischenstop am Restaurant "Top View" konnten wir nochmals einen herrlichen Sonnenuntergang genießen und uns somit von der Stadt verabschieden.



Montag, 08.10.2007

Am frühen Morgen, so gegen 6.00 Uhr, kamen wir auf dem Frankfurter Flughafen wieder an und stiegen nach kurzer Wartezeit in den Zug nach Leipzig. Die darauf folgende 4-stündige Zugfahrt nutzten die meisten damit, den Schlaf der letzten Tage nachzuholen. In Leipzig wurden wir dann schon von, mehr oder weniger nervösen und erleichterten Eltern empfangen. Glücklich wieder in Leipzig zu sein, aber mit unbeschreiblichen Erinnerungen, ging diese Bürgerreise für uns zu Ende.

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